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Auszug aus meinem Tagebuch… Freitag, 13.03.2020

…Und dann bekommst du am Freitagnachmittag die Nachricht von der Geschäftsführung, dass du ab Montag nicht mehr zum Arbeiten ins Büro kommen darfst. HOMEOFFICE! Für das gesamte Unternehmen!

Das war Freitag der 13.03.2020. Ich bin nicht abergläubisch oder glaube an solche „Unglücksbringer“ wie Schwarze Katze und Co. Aber diesen Freitag im März werde ich nicht so schnell vergessen.

Morgens habe ich, wie jeden Morgen, mein Instagramposting noch ganz euphorisch verfasst und mich aufs Wochenende gefreut. Aber im Laufe des Tages überschlugen sich die Ereignisse. COVID 19 auf dem Vormarsch in Deutschland: Schulschließungen in vielen Bundesländern, auch Hamburg. Meine Kollegen und ich ahnten schon eventuelle Maßnahmen, denn wir gehören zu den Grundversorgern und bei uns gelten besondere Vorkehrungen- deshalb gab es auch bereits seit Anfang März einen Krisenstab bei uns- der ab und an informierte.

Letztendlich beschlossen meine Kollegen und ich mittags gemeinsam Essen zu gehen, untern dem Motto: „Wer weiß, wann wir uns wiedersehen werden“. Natürlich war das eher Spaß und wir hatten innerlich gehofft wir würden falsch liegen und wir machten uns unnötig verrückt und hofften bis zuletzt uns Montag wieder zu sehen…am Nachmittag dann die Gewissheit: Wir bleiben Zuhause!

Den ganzen Freitagnachmittag packten wir unsere Sachen zusammen, räumten Kühlschränke aus und organisierten uns…Ich machte mir Sorgen um unsere Büropflanzen: „Wie würden die das überleben?!“ Unser Homeoffice sollte erst einmal 3 Tage andauern, um zu prüfen, ob alle technischen Weichen gestellt waren. Immerhin gab es diese Situation für unsere IT auch noch nie, diese musste das gesamte Wochenende arbeiten, um VPN Zugänge etc. für alle Mitarbeiter einzurichten. Aber wir mussten uns nichts vormachen- bei 3 Tagen Homeoffice würde es, bei diesem Aufwand, bestimmt nicht bleiben.

Derweil gingen die ersten Kollegen am Nachmittag dann in den Feierabend, ins Wochenende und mit Unwissenheit, was uns die kommenden Wochen bevorstehen würde…

Der verrückte Arbeitstag neigte sich auch bei mir zu Ende, ein Gefühlschaos hoch 10. Kurzerhand beschloss ich meinen Bildschirm mitzunehmen…ich hatte das Gefühl, dass dieses verordnete Homeoffice nicht nur ein paar Tage andauern würde…

So stöpselte ich gegen Abend meinen Bildschirm, Tastatur und Maus ab. Normalerweise würde ich das nie tun- bei einem oder auch 2 Tagen zu Hause arbeiten reicht mir mein Notebook völlig aus…aber diese Entscheidung sollte sich als goldwert entpuppen.

Mit einem komischen Gefühl, bepackt wie ein Esel: Notebooktasche mit Notebook und Co., Tüte mit Lebensmitteln, Tasche mit Wochenplanern, Kalender, Schreibkram und dem Bildschirm unterm Arm schlich ich über das Betriebsgelände…friedlich zwitscherten die Vögel…ich verfrachtete alles ins Auto und pustete einmal kräftig durch…

Was für ein Tag!

Im Radio, auf dem Weg nach Hause die neusten Fallzahlen, Entwicklungen und Maßnahmen. In meinem Kopf ein Wirrwarr…wie verhalte ich mich nun?… Zuhause angekommen ließ ich erstmal alles der vergangenen Stunden sacken. Was prasselt da bitte alles auf einen ein?!

Samstag, 14.03.2020 Guten Morgen! Was für ein schöner Frühlingstag! Die Sorgen von gestern waren erstmal vergessen…An diesem Tag hatte ich noch einen Probetrainingskurs mit einer Freundin bei einem kleinen Fahrradstudio gebucht. Das Studio hatte noch geöffnet, im Auto hörte ich meine Gute-Laune-Hits-Playlist. Heute wollte ich erstmal nichts von Corona hören. Auf ging es in ein schönes Wochenende!

Angekommen im Studio dann die bittere Erkenntnis…hier auch keine Normalität mehr: Zettel mit Sicherheitsvorkehrungen an den Türen, Abstand im Kurs halten und nach dem Kurs dann die Info: das Studio schließt ab Nachmittag. Wir waren der vorletzte Kurs bis auf weiteres. Das Gefühl nach einer tollen Sporteinheit überwog meine kleinen Sorgen und so cruiste ich nach dem Kurs noch durch die Straßen, mit offenem Dach und weiter laute Lieblingsmusik aus den Boxen.

Die Straßen für einen Samstag leerer als sonst…

Auf dem Weg nach Hause: schnell noch einen kleinen Wochenendeinkauf. Auf dem Lidl-Parkplatz bekam ich den vorletzten Parkplatz. Auf dem Parkplatz viele Menschen, volle Körbe und leichte Unruhe. Habe ich was verpasst?! Und da war es wieder…ein unwohles Gefühl…ich betrete den Lidl und traue meinen Augen nicht…4 Kassen besetzt, trotzdem lange Schlangen und der Supermarkt komplett leer gekauft. Es gab NICHTS! Und wenn ich sage nichts: dann meine ich wirklich nichts. Kurze Panik in mir. Jedes Kühl- und Gefrierregal leer, kein Obst, kein Gemüse, leere Teigwarenabteilung, keine Getränke, keine Konserven, keine Hygieneartikel…NICHTS! Der gesamte Laden war ausverkauft. Durchatmen. Erden. Ab zurück ins Auto. Ich fuhr zum nächsten Supermarkt. Da gab es wenigstens noch etwas mehr, aber auch hier waren viele Regale komplett leer gefegt…

Zu Hause angekommen: direkt den Fernseher an. Die Regierung bittet die Bürger sich ab sofort zu Hause aufzuhalten: SOCIAL DISTANCING. Keine Familie und Freunde treffen/besuchen. Jetzt wurde es mir erneut klar und es gab für mich keine Ausreden mehr. Ich halte mich an die Aufforderung und isoliere mich.

Am Sonntag verfolgte ich die News, die beinahe stündlich einprasselten. Mein Kopf glühte, einfach zu viel für mich. Wahrscheinlich für alle! Immer mehr Fallzahlen, immer mehr Einschränkungen, Maßnahmen. Die Wirtschaft sollte immer mehr heruntergefahren werden. Die Menschen sollten zu Hause bleiben. Und ich? Ich baute am Nachmittag mein kleines Homeoffice auf. Richtete mir einen netten Arbeitsplatz ein. Mir wurde es immer klarer: so schnell kommt der Alltag nicht mehr zurück. Am Ende des Tages war ich stolz auf meinen neuen Arbeitsplatz, im Schlafzimmer. Ich war froh, den Bildschirm mitgenommen zu haben und freute mich sogar ein kleines bisschen auf diese neue Arbeitsweise…

Anfang der Woche dann die Bestätigung: unsere Geschäftsführung beschließt: Homeoffice bis 30.04.2020. Ein Schock! Ok, zugegeben, die ersten beiden Tage waren aufregend, spannend, anders. Sogar ganz spaßig. Eine oder 2 Wochen einfach mal „was Anderes“ zum täglichen Arbeitsalltag. Aber 6 Wochen mindestens zu Hause? Was ja nicht nur zu Hause arbeiten, sondern auch zu Hause bleiben bedeutete. 24/7 in den eigenen 4 Wänden! Mittlerweile wurde alles nach und nach geschlossen: Fitnessstudios, Kinos, Theater, Restaurants, Geschäfte, die nicht lebensnotwendig waren…: alles was man sich nur vorstellen konnte. Die Wirtschaft kommt zum Erliegen- in fast allen Bereichen. Mein Kopf?! Fragt nicht! Voll! Es prasselt unfassbar viel auf einen ein. Und ich versuche nach und nach eine Routine zu schaffen. Einen geregelten Tagesablauf, den brauche ich. Den wünsche ich mir in dieser verrückten Zeit. Für ein wenig Normalität. Nach der ersten Woche Homeoffice und Isolation meine Gedanken, Erfahrungen und was ich erlebt habe…

-Fortsetzung folgt-

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